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Netanyahu hatte Recht

 

Gideon Levy, Haaretz , 3.6.10

 

Die Zeit ist gekommen, wo wir alle vor dem Ministerpräsident den Hut ziehen müssen. Benyamin Netanyahus Voraussagen haben sich als genau erwiesen und seine Prophezeiungen  sind  vor unsern Augen wahr geworden. Nun können wir stolz erklären, dass unsere Regierung von einem Mann mit Visionen, einem Staatsmann, angeführt wird, der die Zukunft vorausgesagt hat. Selbst seine größten Kritiker können dies nicht leugnen. Die Fakten sprechen für sich selbst.

Netanyahu sagte, die ganze Welt ist gegen uns. Hatte er nicht Recht?. Er sagte auch, wir leben unter existentieller Bedrohung. Beginnt es nicht, danach auszusehen ?  Warte noch einen Augenblick und  die Türkei wird mit uns auch im Krieg sein. Netanyahu sagte, es gäbe keine Chance, ein Abkommen mit den Arabern zu erreichen. Hat er damit nicht ins Schwarze getroffen. Unser Ministerpräsident, der die Gefahr aus jeder Gasse kommen  und Feinde hinter jeder Ecke lauern sah, der immer gelehrt hat, es gebe keine Hoffnung, der in uns hineinhämmerte, dass wir immer mit dem Schwert leben werden ( genau wie sein Vater, der Historiker, ihn gelehrt hatte) und der wusste, wovon er sprach.

 

Wir hatten seit David Ben-Gurion keinen wie ihn. Er ist ein echter Prophet, dessen jede Voraussage wahr wird, eine nach der anderen – einer, der wirklich auf seine Leistungen stolz sein kann. Genug des Spotts, genug der Lächerlichkeit. Denn Netanyahu ist nicht nur ein Prophet; seine  Führung hat das ganze Land hochgerissen. Da gibt es niemanden, der ihn hindern kann, seine Visionen zu realisieren;  bald  werden die Experten schreiben, dass Netanyahu Recht hatte.

Dieses Land hat nun einen blinden Kapitän im Cockpit, der seine Passagiere - mit verbundenen Augen - mit beispielhafter Präzision  zu dem Ziel fliegen wird, das er vorausgesehen. Wenn es da noch ein Objekt seiner Panikmache gegeben hätte, das es vor dieser Woche nicht gegeben hat,  so kam nun das entsetzliche Kapern der Flotille dazu – und auch dieses Ziel war in der Tasche.

Falls irgend jemand noch einen Funken Hoffnung hat, dass unser Pilot nicht total blind ist, dass er  ein spezielles  die Sicht verbesserndes Gerät hat, da kam seine Erklärung, dass die Blockade Gazas weitergehen würde. Lasst die Welt, die Einsicht und Gaza zum Teufel gehen  und Israel übrigens auch – und lasst den Schimmer Hoffnung auch sausen. Nachdem die Sägen und Messer auf dem Schiff Marmara ergriffen und öffentlich gemacht worden waren, sind wir in der Lage, uns ein für alle Mal zu überzeugen, dass es da tatsächlich eine Gefahr gibt, die um jede Ecke lauert, ein al-Qaida-Täter auf jedem Schiff, Waffen auf jedem Deck und dass die Marmara tatsächlich eine existentielle Bedrohung und nicht weniger war, genau wie unser Führer es vorausgesehen hat.

Natürlich verlangt keiner, die Gewehre zu sehen, mit denen die Aktivisten angeblich geschossen hätten oder das Video in der ganzen Länge, in dem  man die israelischen Soldaten schießen sieht, oder die konfiszierten Fotos der Journalisten. Für uns reichen die Bilder der schlimmen Schlägerei, die das IDF-Sprecherbüro veröffentlichte.

 

Einige 7Milliarden Menschen (minus etwa 5 Millionen israelischer Juden) haben Unrecht. Sie haben keinen solchen Führer wie Netanyahu und deshalb denken sie, dass der Überfall auf Passagierschiffe in internationalen Gewässern ein Akt der Piraterie sei, nicht anders als die Taten somalischer Piraten. Sie denken (fälschlicherweise natürlich), dass Israel kein Recht habe, eine Bootsflotte anzuhalten; dass die Opfer die Menschen von Gaza und die blutenden Passagiere sind, nicht die Marinekommandos, die das Schiff überfielen und geschlagen wurden. Und dass die Aggressoren die Soldaten waren, die von einem Helikopter heruntergelassen wurden, neun Zivilisten  mit scharfen Schüssen töteten und Dutzende verletzten.

Die Welt hat Unrecht, und Netanyahu  hat mit uns im Schlepptau  Recht. Wir werden die Blockade nicht aufheben. Seit vier Jahren hat sie nichts Gutes verursacht, nur Schaden – doch macht das was?  Machen wir sie fertig! Lasst uns Netanyahus Vision erfüllen. Wir werden dann ein noch verachteteres Land werden und keinen einzigen Freund  in der Welt, nicht einmal  mehr die  USA haben. Es stimmt zwar, dass es Netanyahus Vorgänger Ehud Olmert war, der diesen schrecklichen Erdrutsch  mit der Operation Cast Lead verursachte, nach der die Welt wegen all des gewalttätigen Verhaltens Israels intolerant wurde – aber Netanyahu folgte in seinen Fußstapfen.

 

Trotz allem ist seine Vision noch nicht ganz erfüllt. Es gibt noch Hoffnung: einen „ökonomischen Frieden“ , der Palästinensern und Israelis Wohlstand bringt. Aber bis jetzt gibt es keinen größeren Saboteur von Israels Exporten als Netanyahu. Und bald wird alles, was hier produziert wird,  nicht weiter als bis Petah Tikva verkauft werden können. Selbst Propheten haben das Recht, sich  gelegentlich zu irren. Aber es wäre schon besser, wenn er nicht zu weiterer Hoffnung Anlass gibt.

 

Mehr als die Hälfte der Israelis wünscht nach einer  gestern veröffentlichten Umfrage eine Untersuchungskommission. Man kann vermuten, dass dies nur wegen unserer Soldaten ist, weil sie geschlagen und gedemütigt worden sind. Denn was wäre sonst noch zu untersuchen? Schließlich haben wir einen Prophetenstaatsmann, dessen Voraussagen wahr geworden sind, eine nach der anderen – und der Messias ist (noch nicht) nach Zion gekommen.

 

 

(dt. Ellen Rohlfs)